
Der frühe Vogel? Earlybird schließt Rekord-Frühphasen-Fonds
Das Life-Science-Portfolio von Earlybird Venture Capital ist kein Portfolio eines klassischen Biotech-Investors. Es ist vor allem über den dedizierten Health-Fonds organisiert und investiert gezielt in Biopharma, Diagnostik, Medtech und Digital Health in Europa und auch einmal in den USA. Nun konnte der in fast drei Jahrzehnten größte Frühphasenfonds geschlossen werden und auch die übervorsichtigen Versicherungen sind dabei.
Mit einem Volumen von 360 Mio. Euro hat Earlybird Venture Capital (München, Berlin, London, Mailand) seinen bislang größten Frühphasenfonds aufgelegt. Fund VIII unterstreicht nicht nur den anhaltenden Kapitalbedarf im europäischen Start-up-Ökosystem, sondern zeigt auch, wer diesen zunehmend deckt: ein breiter Mix aus öffentlichen, institutionellen und strategischen Investoren.
Regionale und internationale Investoren treffen Tech-Investoren und Versicherungen
Ein Blick in die Handelsregistereinträge offenbart eine bemerkenswerte Zusammensetzung der Limited Partner. Auf öffentlicher Seite engagieren sich unter anderem der European Investment Fund, KfW Capital, NRW.BANK und die L-Bank. Hinzu kommen staatliche und staatsnahe Investoren wie die National Treasury Management Agency, CDP Venture Capital sowie mit MIC Capital ein Akteur aus dem Umfeld des Staatsfonds Mubadala.
Auffällig ist auch die Beteiligung strategischer Unternehmen: Dazu zählen Red Bull, Woven Capital und die Viega Group. Ergänzt wird das Investorenfeld durch Finanz- und Versicherungsakteure wie ERGO, Universal-Investment und die Custody Bank of Japan.
Verbreiterung der Investorenbasis …
Auch wenn die konkreten Ticketgrößen nicht öffentlich sind, lässt sich ein klarer Trend erkennen: Große europäische Venture-Fonds werden zunehmend von einer diversifizierten Kapitalbasis getragen. Öffentliche Förderbanken und supranationale Institutionen bleiben wichtige Ankerinvestoren, während gleichzeitig Staatsfonds, Corporates und Versicherer stärker in den Markt drängen.
Earlybird Venture Capital ist im Life-Science-Bereich kein klassischer Biotech-Spezialist, sondern ein breit aufgestellter Frühphaseninvestor mit eigenem Health-Arm. Über Earlybird Health investiert das Haus gezielt in Biopharma, Diagnostik, Medtech, digitale Gesundheitslösungen und Life-Science-Tools. Dabei durchaus auch einmal außerhalb von Europa und dann bevorzugt in den USA. Das Profil ist dabei bewusst technologieoffen: Statt auf einzelne klinische Wirkstoffprogramme zu setzen, sucht Earlybird vor allem Plattformansätze an der Schnittstelle von Biologie, Daten und Engineering.
Im aktuellen Portfolio finden sich unter anderem Beteiligungen wie Ariceum Therapeutics (Radioligandentherapie), Greywolf Therapeutics, Haya Therapeutics (Genregulation), Oculis oder Noscendo. Damit zeigt sich ein Portfolio, das stärker von Technologieplattformen, Präzisionsmedizin und diagnostischen Anwendungen geprägt ist als von klassischer Single-Asset-Biotech.
…weil Europa eben doch ein attraktiver Geldhafen ist?
Mit dem hohen Closing des Fonds reiht sich Earlybird in eine Entwicklung ein, die derzeit in ganz Europa zu beobachten ist. Trotz eines insgesamt schwierigeren Finanzierungsumfelds gelingt es etablierten VC-Häusern weiterhin, Fonds in dreistelliger Millionenhöhe zu schließen – beispielsweise auch der französischen Jeito Capital. Der Wettbewerb um attraktive Frühphasen-Deals dürfte sich damit weiter verschärfen – gestützt von Kapitalquellen, die langfristig orientiert sind und gezielt auf technologische Souveränität und Innovation setzen.
Dort hat Earlybird seine ganz spezielle Expertise aufgebaut, beim frühen Einstieg: Das Haus investiert bevorzugt in Seed- und Series-A-Phasen, also dort, wo wissenschaftliche Konzepte noch in belastbare Geschäftsmodelle übersetzt werden müssen. Gerade im europäischen Life-Science-Markt positioniert sich Earlybird damit als Investor, der weniger späte klinische Programme finanziert als vielmehr die nächste Generation von Health- und TechBio-Unternehmen mit aufbaut. Insgesamt umfasst das Health-Portfolio nach Angaben von Earlybird mehr als 65 Unternehmen. Interessant ist, dass sich trotz des bewusst größeren Risikos, einer eventuell langsameren Wachstumsgeschwindigkeit und einem allgemein schwierigen Finanzierungsumfeld, das auch auf den Gründungswillen von Ideenträgern abfärbt, die besonders vorsichtigen Versicherungen und Staatsfonds ganz bewusst bei Earlybird engagieren. Vielleicht eine echte Trendumkehr bei der Allokation von Finanzmitteln allgemein.

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